Vom Nehmen und Genommen werden

Das ist nicht nur der Titel eines der besten Bücher zum Thema Sex und sexuelle Störungen, das derzeit auf dem Markt ist…

15. August 2011
Vom Nehmen und Genommen werden

Das ist nicht nur der Titel eines der besten Bücher zum Thema Sex und sexuelle Störungen, das derzeit auf dem Markt ist, sondern möge zugleich Anstoß zu einer Diskussion darüber sein, warum so viele Männer Angst vor Nähe und Intensität haben und so viele Frauen vor Hingabe und Kontrollverlust.

Das Buch zeigt einige sehr wichtige und interessante Aspekte dazu auf. Aber mich würde interessieren, wie Ihr das seht und welche Erfahrungen Ihr persönlich damit gemacht habt. Was haltet Ihr davon, zu nehmen und genommen zu werden? Habt Ihr Angst vor Nähe? Oder vor Hingabe?

(Der Antaghar)
15. August 2011
das Buch

...habe ich mir gleich nach der Empfehlung gekauft und geradezu verschlungen. Bis auf ganz wenige Bereiche trifft es ganz viel von dem was ich erlebt habe, erlebe und noch erleben möchte.
Dann bin ich mit meinem Mann in einen intensiven Gesprächsaustausch eingetreten.
Alleine die Berührungsanleitungen - ein Traum.
Das was da zu lesen ist, ist ein echter Anstoß für mich...
Jetzt müssen wir es nur noch TUN.
Werden wir und ich ganz besonders.
Jeder ist halt auch für sich verantwortlich und muss erspüren, wohin er will und wie und , ja!, auch mit wem.
Klar ist, dass mein mann an sich keine Angst vor Nähe hat und Intensität hat.
Ich habe auch keine Angst vor Hingabe, wohl aber so meine Probleme mit Kontrollverlust.
15. August 2011

tja, alllegraschatz - und ich hab keine oder nur selten probleme mit kontrollverlust, treffe aber immer wieder auf männer, die so unsicher sind, daß ich dann das gefühl bekomme, 'zu viel' zu sein.
zu viel gefühl
zu viel fleisch
zu viel erotisch aggressiv
zu viel frau.

das buch kenne ich gut übrigens.es ist manchmal solch eine erleichterung, drin zu lesen....
15. August 2011

Danke für Eure Beiträge! Ich finde dieses Buch auch einfach nur rundum großartig!

Und eine höfliche Frage, liebe Allegra:

Ich habe auch keine Angst vor Hingabe, wohl aber so meine Probleme mit Kontrollverlust.

Ist denn nicht die Angst vor Kontrollverlust verbunden mit der Angst vor Hingabe? Oder wenn nicht - was ist denn der Unterschied?

(Der Antaghar)
15. August 2011

wenn man seine hingabe kontrollieren will......?!
*gruebel*
15. August 2011
@ zerbinetta27

*zwinker*

Sehr gute Idee!

Kontrollierte Hingabe geht doch gar nicht. Da muss man sich ja geradezu verheddern. Aber vielleicht hast Du da Nagel auf den Kopf getroffen: Muss ich nicht zuerst den Wunsch nach Kontrolle abgeben, bevor ich mich hingeben kann?

Es ist ja auch so, dass viele Menschen, wen man sie fragt, wie sie sich fühlen, etwa so antworten: "Also, ich denke, ich fühle mich heute ..."

(Der Antaghar)
15. August 2011

jaja, das berühmte 'ich denke' anstatt 'ich weiß'...*smile*

allerdings: vollständige hingabe müßte einen direkt in eine art trance versetzen. ansonsten wird man immer wieder feststellen, daß man sich bei der hingabe eigenwahrnimmt, vielleicht sogar beobachtet. und das ist doch der beginn von kontrolle, oder?

ich frag mich - da sex in trance so selten ist - wie weit darf eigenwahrnehmung gehen, ohne kontrolle zu werden?

klar, man darf die wahrnehmung nicht in eine BE/WERTUNG übergehen lassen. aber ist das ausschlaggebend?

kontrolle ist da, wo ich mit 'schlecht' bewerte, oder?
und wenn ich 'gut' sage und einfach: JA? dabei aber mich als jasagende wahrnehme - ist das schon kontrolle und damit die hingabe beendet?

mal ein paar gedanken zum anregenden weiterspekulieren und philosophieren. ich muß jetzt für ne weile raus und bügeln... :((
15. August 2011
also

das ist doch auch gar nicht allein meine Sache, obwohl das so sein sollte.
Mein Mann und seine Un-Sicherheit zum Beispiel, ist doch da auch relevant.
Auch wenn wir schon weit gekommen sind, es fehlt halt auch was.
Und es ist für mich schön, dass wir auch nach der langen Zeit noch nicht am Ende sind.
Mit jeder körperlichen Begegnung kommt was hinzu. Und manchmal ist es dann halt so, dass es nicht klappt mit der Hingabe, dass doch Gedanken im Kopf kreisen, dass ich was brauche, was ich nicht kriegen kann....
Das alles geschieht doch nicht im Vakuum.
2 sind beteiligt - und es gelingt nicht immer, synchron zu sein.
Beispiel: ich bin oft mega hungrig - sexuell. Er spürt das und ich sage das auch immer offen.
Dann möchte ich aufnehmen mit den im Buch beschriebenen Bereichen und abgeben über das Herz - zerfließend nehmen und genommen werden.
Ja und nun kommt mein Partner.... , der das oft nicht so kann, einfach nicht so lustvoll empfindet.
Also bin ich mit weniger zufrieden, als... ja, was nun, als ich ersehnt habe? erträumt habe?, verlangen möchte? brauche? für mein eigenes Hochgefühl?
ER müsste ja eigentlich merken, dass ich nicht "satt" bin - er ist es und das wars dann.
Das ist so und ich kann es nicht ändern, außer dass ich nicht locker lasse und immer weiter an Erfüllung arbeite.
15. August 2011
Eine Antwort an Euch beide

Ist Eigenwahrnehmung auch gleich Kontrolle?

Ich behaupte: Nein!

Wenn es gelingt, sich einfach nur wahrzunehmen ohne jede Bewertung, einfach nur sehen, hören, riechen und spüren, was da ist und passiert - dann ist Eigenwahrnehmung aus meiner Sicht keine Kontrolle, sondern Geschehenlassen.

Ich denke, es ist wichtig, sich eine leider immer wieder übersehene Grundtatsache bewusst zu machen: Der Beoabachtende ist niemals das Beobachtete. Oder: Ein Augapfel kann sich nicht selbst anschauen.

Wer also Gefühle bei sich selbst wahrnimmt und beoabachtet, ist niemals das Gefühl selbst (aber so leben leider viele, als seien sie das Gefühl).

Wer seinen Verstand beim Denken beobachtet, kann niemals der Verstand selbst sein (aber leider sitzen viele dem Aberglauben auf, sie seien ihr Verstand).

Wer seine Wünsche und Bedürfnisse wahrnimmt und beobachtet, kann niemals der Wunsch oder das Bedürfnis selbst sein (doch leider definieren viele sich über ihre Wünsche und Bedürfnisse und glauben, es sei überlebensnotwendig, sie zu erfüllen, und die Welt ginge unter, wenn es mal nicht so ist - im Buddhismus nennt man das Anhaften, und Jesus hat das seinerzeit ähnlich ausgedrückt).

Und so weiter ...

Wird einem das bewusst, so kann man sich selbst wahrnehmen und beobachten, ohne zu werten, was da geschieht - und einfach nur genießen bzw. sich dem Geschehen hingeben. Ohne jede Kontrolle. Ohne jede Bedürftigkeit einfach nur das genießen, was da ist, und sich darüber freuen bzw. daran erfreuen.

(Der Antaghar)
15. August 2011
stimmt

...deshalb habe ich Dir ein Danke geschickt.
DAs nämlich gelingt mir/uns sehr gut.
Das annehmen was ist und nicht das zu wollen, was nicht ist.
*ggg*
15. August 2011
stimme dir völlig zu

antaghar - dahingehend ging auch mein voriger post, habe das nur nicht ausgeführt.
denn mich interessiert nicht die hingabe in diesem zusammenhang, sondern der moment, ab wo es in kontrollbedürfnis übergeht.
und mich interessiert, worin da der ausschlaggebende unterschied liegt.
ich behaupte: in der bewertung dessen, was ich da wahrnehme.
und was ich dann entsprechend meiner (negativen?) bewertung zu steuern versuche. ggf auch mich zu steuern versuche...

ich habe hier allegras beispiel als denkansatz vor augen und denke mir einsichten und innere dialoge wie:
"das befriedigt nicht, törnt nicht an. warum? ihm gefällts ja ganz gut."
und dann die antwort an einen selber:
"aber ich krieg nicht, was ich will - was will ich denn? mehr dies oder das..."
- und schon bewertet man
"ist irgendwas falsch? bin ich womöglich nicht gut genug? sexy genug?"
und versucht zu steuern und zu kontrollieren und nimmt nicht nur mehr wahr...
"er kann das halt nicht besser, er ist eben so, nimm ihn wie er ist...."
15. August 2011
@ zerbinetta27

Sehr richtig, ich sehe es genau so wie Du, insbesondere:

in der bewertung dessen, was ich da wahrnehme.
und was ich dann entsprechend meiner (negativen?) bewertung zu steuern versuche. ggf auch mich zu steuern versuche...

Mir scheint es noch wichtig zu sein, einen Punkt hervorzuheben: Sobald ich bewerte, bin ich Kopf. Das Bewerten dessen, wie ich mich gerade fühle oder was gerade mit mir geschieht, ist immer und ausschließlich eine Sache des Verstandes!

Somit ist es für mich schlüssig, dass ich dann sofort aus der Hingabe, also dem reinen Fühlen, herausfalle und prompt wieder im Kopf bin.

Danke! *top*

Wobei ich in einem Punkt einen kleinen Einwand anmelden will: Natürlich kann ein Partner auf Dauer unbefriedigend sein. Und natürlich verstärkt man selbst das dadurch, dass man diesem Aspekt des "Ungenügenden" Aufmerksamkeit schenkt und nicht einfach nur das annimmt, was nun mal geboten wird.

Im Jetzt ist es eindeutig hilfreicher, einfach das zu genießen, was ist, und nicht daran zu denken, was sein könnte (auf einmal wird manches sogar allein dadurch "besser").

Aber trotzdem ist es meiner Meinung auch wichtig, außerhalb (!) der aktuellen Situation (also z. B. dem Sex) seinen Partner auch anzuregen und zu "fordern", an sich zu arbeiten und sich zu entwickeln, dazu zu lernen und sich Mühe zu geben.

Aber ich vermute mal, da sind wir ohnehin einer Meinung ...

(Der Antaghar)
15. August 2011

yepp - dem kann ich nix hinzufügen.

die sache mit dem kopf gefällt mir.

dass ich dann sofort aus der Hingabe, also dem reinen Fühlen, herausfalle und prompt wieder im Kopf bin.

wir alle neigen viel zu sehr dazu, im kopf zu sein. nix gegen diesen körperteil und seine leistungen - aber sex macht man mit dem unterleib und mit dem herzen. geilen sex mehr mit dem unterleib, tief liebevollen sex mehr mit dem herzen.
15. August 2011
@ zerbinetta27

Ich bin begeistert! So ist es!

*knuddel*

Und ganz wunderbar ist es, wenn geiler und liebevoller Sex, also Unterleib / Körper und das Herz zusammen bei der Sache sind ...

(Der Antaghar)
15. August 2011
jahaaaa

und genau das hab ich morgen abend wieder.... *schwelg*

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